„Grenzerfahrung“ ein Bericht

Sonntag 13.September 2015 …

Nachdem ich mich Samstag Abend spontan dazu entschlossen hatte, Sonntag an die Grenze nach Nickelsdorf zu fahren und eine Flüchtlingsfamilie von dort mit dem Auto nach Wien zu einem der Bahnhöfe zu bringen, brach ich am darauffolgenden Tag um 10 Uhr auf Richtung Osten.
Es kam jedoch dann alles etwas anders als geplant, irgendwie aber auch wieder nicht!
Am Weg kontaktierte mich ein Bekannter/Kollege und wir vereinbarten, uns vor Ort an der Grenze zu treffen (an dieser Stelle, Dank an Fred Bukowski für Infos, Begleitung und Gespräche)
Kurz vor „High Noon“ traf ich beim Grenzübergang ein, Fred war schon da und wir gingen gemeinsam Richtung Flugdach. Noch waren ausser etlichen Exekutivbeamten nur wenige Menschen zu sehen …
Das änderte sich aber schnell, je näher wir der Grenze kamen. Dort warteten ca 500 – 700 Flüchtlinge auf ihren Bustransfer nach Wien!
Durch etliche Berichte von Freunden/Kollegen aus Traiskirchen, Nickelsdorf, Budapest und Röszke, war ich auf einiges vorbereitet – womit ich nicht gerechnet hatte, war die Ruhe mit der die geflüchteten Menschen auf ihren Weitertransport warteten, es war überraschend still trotz der Menge an Personen, die doch sehr vielen Kinder, das teilweise erleichterte Lächeln in den Gesichtern & die erfreuliche Gelassenheit der dort stationierten Exekutivbeamten (viele relativ junge Polizisten und Polizistinnen waren zu sehen), die sich den Flüchtlingen gegenüber vorbildlich verhielten …
Nachdem wir einen Rundgang über das Gelände gemacht hatten, ich ein paar kurze Gespräche mit einigen Polizisten führte (es wurden entspannt Auskünfte gegeben und sogar gescherzt) und erkannte, dass es (zumindest Sonntag Mittag war es so, am Abend & Montag hatte sich die Situation an der Grenze ja stark verändert) nicht notwendig ist, jemanden privat nach Wien zu bringen, entschlossen wir uns, wieder abzufahren!
Ich war zu diesem Zeitpunkt noch relativ ruhig, die Emotionen schlugen erst später, durch eine Begebenheit auf der Strasse, ziemlich wuchtig zu …
Nach einer Kaffeepause mit Fred in Neusiedl am See, fuhr ich Richtung Autobahn. Kurz vor der Auffahrt noch ein kleiner Stop zwecks Beantwortung einiger Nachrichten – als eine junge Frau an mein Autofenster klopfte …
Sie habe weiter hinten Flüchtlinge auf der Strasse aufgegriffen (15 Personen, darunter 5 Kinder), ob ich einige von ihnen nach Parndorf in ein Auffangzentrum mitnehmen könnte, sie und ein zweiter Autofahrer hätten ihre Pkw’s schon voll!
Da mußte ich nichtmal eine Sekunde nachdenken & lud mir die die übriggebliebenen jungen Männer in mein Auto!
Sie waren sehr still, überaus höflich (ihr hygienischer Zustand eine Katastrophe, den psychischen Zustand konnte man nichtmal erahnen), einer sprach einige Brocken Englisch und auf Nachfrage erfuhr ich, dass sie aus Syrien kommen & sehr froh sind jetzt in Österreich zu sein.
Wir trafen also mit 3 Autos voller Menschen im Parndorfer Auffangzentrum ein und es gab ganz kurz etwas Aufregung, weil ein herbeigekommener Polizist meinte: „Das gehe nicht, wir können nicht einfach Flüchtlinge vorbeibringen“
Nach kurzer Besprechung und Fürsprache für die Flüchtlinge von uns Dreien bei dem Polizisten, glätteten sich die Wogen aber schnell, „unsere“ Syrer durften dort bleiben, bekamen Versorgung und würden mit einem der nächsten freien Bussen einen Transfer nach Wien bekommen!
Alle waren erleichtert, auch die Flüchtlinge, die die Unterredung aus Respektsabstand mitverfolgt hatten!
Es wurde noch etwas miteinander geplaudert, ich mußte Auskunft über die derzeitige Situation an der Grenze geben, wir wünschten den Flüchtlingen viel Glück für ihre Weiterreise und verabschiedeten uns dann auch sehr herzlich voneinander (als würden wir uns nicht erst eine Dreiviertelstunde kennen)
Unter Winken der syrischen Leute, bin ich dann aus dem umfunktionierten Parndorfer Wirtschaftshof gefahren, um 100 Meter weiter gleich wieder stehen zu bleiben …
Jetzt kam alles hoch und ich mußte die Tränen (des Bedauerns ob der Situation der Leute, des Mitgefühls für sie und meine empfundene Hilflosigkeit, nicht mehr unternehmen zu können für Menschen wie sie), die kommen wollten, sehr unterdrücken … so stand ich dann noch 15 Minuten am Straßenrand, bis ich wieder soweit war heimzufahren!
Diesen Tag werde ich wohl nie vergessen!

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